Was unterscheidet Waldorfpädagogik vom staatlichen Schulsystem?
Gesamtschule
Alle Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam ab der ersten Klasse und bleiben bis zu ihrem Abschluss in der 10., 12. oder 13.Klasse im Klassenverband.
Kein Sitzenbleiben
Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen ohne Sitzenbleiben 12 Schuljahre. Der Lehrplan der Waldorfschulen ist auf die Weite der in den Kindern liegenden seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen ausgerichtet. Deshalb tritt vom 1. Schuljahr an neben die mehr sachbezogenen Unterrichtsgebiete ein vielseitiger künstlerischer Unterricht. Durch diesen werden die für den einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten und Erlebniskräfte gefördert.
Epochenunterricht
Um die Möglichkeit einer erlebnismäßigen Vertiefung zu schaffen, werden die Unterrichtgebiete in etwa vierwöchigen „Epochen“ behandelt; so wechseln Schreiben und Lesen, Rechnen, Naturkunde, Geografie, Geschichte , Physik und Chemie im Laufe eines Schuljahres einander ab. Fächer, die ein kontinuierliches Üben erfordern, wie etwa Sprachen, Musik, Handarbeit und Turnen werden nach diesem sogenannten Hauptunterricht in Fachstunden gegeben.
Klassenlehrerprinzip
Waldorfpädagogik legt auf die vertrauensvolle Beziehung zwischen Lehrern und Schülern großen Wert. Vor diesem Hintergrund ist die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer eine entscheidende Bezugsperson, besonders in den unteren Klassen; in der Regel von der ersten bis zur achten Klasse, unterrichtet sie oder er die Schülerinnen und Schüler jeden Morgen in dem sogenannten Hauptunterricht, einem Blockunterricht von zweistündiger Dauer.
Mehrsprachigkeit
An Waldorfschulen werden ab der ersten Klasse zwei Fremdsprachen unterrichtet.
Fremdsprachen in den ersten Grundschuljahren werden am besten durch ein ganzheitliches, mündliches, nachahmendes und handlungsbezogenes Einleben erlernt. Der/die Lehrer/in kann – gegebenenfalls mit Hilfe einer Handpuppe – kleine Befehle in der zu lernenden Sprache erteilen, er kann die Kinder zu Rollenspielen anleiten, er kann ihnen vorsprechen und vorsingen, so dass sie sich im Nachsprechen, in pantomimischer Bewegung, in chorischer Rezitation, in Gesang und Tanz betätigen. Es ist wichtig bei den Kindern ein Wechselspiel zwischen Eigenaktivität und hingegebenem Zuhören zu erreichen.
Ab der 4.Klasse werde erste grammatikalische Grundlagen gelegt und Vokabeln gelernt.
Zeugnisse und Abschlüsse
Die Waldorfschulen haben mit der Auslese auch das übliche Zensurensystem abgeschafft. Die Zeugnisse bestehen aus möglichst detaillierten Charakterisierungen, die die Leistung, den Leistungsfortschritt, die Begabungslage, das Bemühen in den einzelnen Fächern durchsichtig machen. Die Schüler schließen die Schule mit dem Realschulabschluss, Fachhochschulreife oder dem Abitur (nach dem 13. Schuljahr) gemäß den in den Bundesländern jeweils geltenden Regeln ab.
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